Eichen-Prozessionsspinner bekämpfen

Schmetterlingsart mit gefährlichen Raupen

Es handelt sich beim Eichenprozessionsspinner um eine Schmetterlingsart, deren Raupen für Eichen und Menschen eine Gefahr darstellen können. Die Raupen gehen in Gruppen von 20 bis 30 Individuen im „Gänsemarsch“ auf Nahrungssuche, daher der Name „Prozessionsspinner“. Der 25 bis 30 mm große Schmetterling hat hellgraue Vorderflügel mit dunklen Querlinien und besitzt weißgraue Hinterflügel. Der Falterflug findet von Juli bis September statt. Die Eier des Eichenprozessionsspinners werden vom Weibchen in den Baumkronen von (hauptsächlich) Rot-, Stiel- und Traubeneiche abgelegt. Dort können sie überwintern und die Larven schlüpfen im Frühling, d.h. beim Austreiben der Eichenblätter. Die Larven durchlaufen sodann 6 Entwicklungsstadien. Danach verpuppen sie sich im Juli in großen Nestern. Die Jungraupen bilden Gespinste aus versponnenen Blättern und Zweigen, die sie tagsüber zur Häutung aufsuchen. Abends wandern die Raupen dann zu den Fraßplätzen in der Baumkrone zurück. Die stark behaarten Jungraupen sind zunächst gelblich-braun gefärbt. In späteren Entwicklungsstadien nehmen sie eine schwärzlich-blaugraue Farbe an. Sie können eine Körperlänge von bis zu 5 cm erreichen.

Giftige Brennhaare ab dem dritten Larvenstadium

Der Eichenprozessionsspinner ist ein in Mitteleuropa recht häufig vorkommender Schädling. Er schätzt insbesondere warm-trockenes Klima. In Gebieten mit Weinbau ist der Eichenprozessionsspinner recht verbreitet. Besonders in Waldrandlagen oder bei gut besonnten Einzelbäumen in Parks und Wohngebieten ist der Eichenprozessionsspinner vermehrt anzutreffen. Bis zum zweiten Entwicklungsstadium sind die Larven für den Menschen ungefährlich. Ab den Monaten Mai und Juni erreichen die Larven jedoch das dritte Entwicklungsstadium und bilden hierbei giftige Brennhaare aus. Diese Brennhaare sind mit Widerhaken versehen und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die nur ca. 2 bis 3 mm langen Härchen können bei günstiger Witterung und Wind über weite Strecken getragen werden. Bei Hautkontakt oder durch Einatmen führen diese Härchen zu starken allergischen Reaktionen. Die Folgen sind starker Juckreiz, Hautentzündungen und Reizungen der Atemwege, welche bei Vorbelastung zu Atemnot führen können. Dies tritt oftmals zusammen mit Symptomen wie Schwindelgefühl, Benommenheit und hohem Fieber auf. Es kann bei intensivem Kontakt mit den Härchen im Einzelfall ein Kreislaufschock hervorgerufen werden. Die meisten der genannten Symptome klingen spätestens nach einer Woche ab, das Aufsuchen eines Arztes ist dennoch zu empfehlen. Es ist zu erwähnen, dass die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners über Monate hinweg gefährlich für den Menschen bleiben. Die Bekämpfung und Entfernung ist ab dem dritten Larvenstadium nur mit einem Schutzanzug vorzunehmen. Von den Nestern geht als Gebilde mit Häutungsresten und Raupenkot noch länger Gefahr aus, da sich darin noch Brennhaare befinden. Zu den Baumschäden an Eichen ist zu sagen, dass diese recht robusten Bäume in der Regel einen einmaligen Kahlfraß überstehen und sich wieder selbst regenerieren können. Bei mehrmaligem starken Fraß und dazukommenden negativen Faktoren wie beispielsweise zusätzlichen Schädlingen kann es sogar zum Absterben des Baumes kommen.

Große Raupennester an Stamm oder Astgabeln

Der Befall durch den Eichenprozessionsspinner ist insbesondere an durch die großen Raupennester und Gespinstnester am Stamm oder an Astgabeln zu erkennen. Die Eigelege in den Baumkronen sind eher schwer zu entdecken. Auch die Falter sind nicht so leicht zu entdecken, da sie recht unscheinbar aussehen und meist nur nachts fliegen. Am ehesten wird man den Befall daher an den Gespinsten und Raupen erkennen. Solange die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners bis zum 2. Larvenstadium stattfindet, ist noch keine Schutzausrüstung erforderlich. Die Bekämpfung der befallenen Bäume erfolgt im Spritzverfahren. Hierzu wird eine Lösung aus Wasser und einem Präparat benutzt, das sogenannten Neem Extrakt enthält. Dieses greift in das Häutungssystem der Raupen ein, stoppt die Entwicklung und vermeidet so, dass das dritte Entwicklungsstadium mit den gefährlichen Brennhaaren erreicht wird. Auch die Entwicklungsfähigkeit der abgelegten Eier wird durch diese Behandlung reduziert.

 

Mechanische Entfernung ab dem dritten Larvenstadium erforderlich 

Ab Erreichen des 3. Larvenstadiums wird eine mechanische Schädlingsbekämpfung durch manuelles Absammeln nach vorherigem Einsatz von Bindemitteln und/oder Absaugen mit geeigneten Industriesaugern und entsprechenden speziellen Filtern vorgenommen. Im Folgejahr sollte eine Sichtkontrolle beim Blattaustrieb vorgenommen werden, um den dauerhaften Behandlungserfolg sicherzustellen. Die Behandlung war erfolgreich, wenn keinerlei lebende oder tote Raupen, sowie keine Gespinstnester mehr sichtbar sind. Folgende Hinweise sollten bei einem Befall eingehalten werden: Meidung der befallenen Gebiete, sowie die Raupen und Gespinste nicht berühren. Sollte man doch in den Kontakt mit Brennhaaren gekommen sein, ist ausgiebiges Duschen sowie Haare waschen zu empfehlen. Auch die Kleidung muss gründlich gewaschen werden, da bei Hautkontakt immer wieder neue Reaktionen ausgelöst werden können.

Bildquelle: By Accipiter (R. Altenkamp, Berlin) (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons