Ratten und Mäuse in Frankfurt eine Plage

Aktueller Bericht der Frankfurter Rundschau:

Die Schädlingsbekämpfer in Frankfurt haben viel Arbeit. Die Zahl der Ratten und Mäuse nimmt in der Stadt zu. Vor allem in der Gastronomie sind die Nager ein großes Problem.

Wenn die Lebensmittelkontrolleure in der Stadt unterwegs sind, hat Gunther Weiß viel Arbeit. „Am Tag nachdem solche Razzien bekannt werden, steht bei uns das Telefon nicht still“, sagt der Schädlingsbekämpfer aus Bergen-Enkheim. Dann rufen Gastronomen an, die ähnliche Kontrollen bei sich befürchten. Allerdings wollen viele nur einen Besuch bezahlen. „Mit einer Maßnahme können Sie einen Mäusebefall aber nicht dauerhaft eindämmen, doch viele schauen da aufs Geld“, so Weiss. Für eine wirksame Bekämpfung seien aber drei Maßnahmen notwendig. Das koste für ein Restaurant mit 100 Quadratmetern etwa 400 Euro an. Viele wollen nur die erste Maßnahme für etwa 150 Euro bezahlen. „Selbst intensive Beratungsgespräche helfen da nicht“, betont Weiss.

Seriöse Gastronomen hätten ohnehin Serviceverträge mit langer Laufzeit. Die lohnen sich, denn der Bestand an Ratten und Mäusen in Frankfurt ist Weiß zufolge „kontinuierlich stark“. In der Innenstadt seien Mäuse ein allgegenwärtiges Problem und auch in anderen Gegenden mit viel Gastronomie wie der Berger Straße oder der Leipziger Straße fühlen sich Mäuse zu Hause. Mario Silvestri von der Schädlingsbekämpfung Prokil sieht derzeit gar eine regelrechte Mäuseplage. Verantwortlich dafür macht Silvestri den nun schon vierten Winter in Folge ohne nennenswerten Schnee. „Ich habe mittlerweile Neukunden, die sagen, Mäuse hätten sie früher nie gehabt.“

Antikoagulanzien sind Blutgerinnungshemmer, die nur von Fachleuten verwendet werden dürfen. Früher wurde das Mittel präventiv liegen gelassen, doch da es dadurch zu Sekundärvergiftungen bei Greifvögeln kam, dürfen die Präparate nicht mehr ohne Zugriffsschutz ausgelegt werden. Auch Weiss hält unwirksame Köder für einen möglichen Grund der Zunahme von Mäusen und Ratten. „Die Anzahl der wirksamen Mittel wird immer geringer und die Produktionskosten dafür immer teurer“, sagt der Chef von Weiss Hygiene-Service.

Die Stadt Frankfurt indes sieht keinen Grund zur Besorgnis. Zwar ist die Anzahl der Maßnahmen des Ordnungsamts nach dem Infektionsschutzgesetz von 198 im Jahr 2014 auf 523 emporgeschnellt, doch diese Zahlen gäben nur Aufschluss über die Anzahl der Beschwerden der Bürger, sagt Michael Jenisch vom Ordnungsamt.

Die erfassten Beschwerden beziehen sich nur auf Ratten. Mäuse müssen nach dem Infektionsschutzgesetz nicht gemeldet werden. Auf die Beschwerden der Bürger hin schaut sich das Ordnungsamt die Liegenschaft an und empfiehlt dem Eigentümer, einen Schädlingsbekämpfer zu engagieren. Weiter wird die Stadt nicht tätig. „Die Anwesenheit von Ratten alleine ist ja noch keine Ordnungswidrigkeit“, betont Jenisch. Bei Mäusen unternimmt die Stadt nichts. Schädlingsbekämpfer Weiss freut es: „Über die Zukunft meines Unternehmens muss ich mir keine Sorgen machen.“
Autor: Oliver Teutsch
Quelle: http://www.fr-online.de/frankfurt/schaedlingsbekaempfung-in-frankfurt-ratten-und-maeuse-in-frankfurt-eine-plage,1472798,34082368.html